AAS 29 (1937), p. 153
als,Unkraut unter dem Weizen des Gottesreiches durchwuchert. Wer
des Heilands Wort über die Aergernisse und die Aergernisgeber kennt,
weiss, wie die Kirche und wie jeder Einzelne über das zu urteilen hat,
was Sünde war und Sünde ist. Wer aber über diesen verurteilenswërten
Abweichungen zwischen Glauben und Leben, zwischen Wort und Tat,
zwischen äusserer Haltung Und innerer Gesinnung bei Einzelnen —
und wären es ihrer auch viele — die Unsumme von echtem Tugendstreben,
von Opfersinn, von Bruderliebe, von heldenhaftem Heiligkeitsdrang
vergisst oder gar wissentlich verschweigt, der enthüllt eine bedauernswerte
Blindheit und Ungerechtigkeit. Wenn dann vollends erkennbar
wird, dass er den harten Masstab, den er an die gehasste Kirche
anlegt, in dem selben Augenblick vergisst, wo es sich um Gemeinschaften
anderer Art handelt, die ihm aus Gefühl oder Interesse nahestehen, dann
offenbart er sich in seinem angeblich verletzten Reinlichkeitsgefühl als
verwandt mit denen, die nach des Heilands schneidendem Wort über
dem Splitter im Auge des Bruders den Balken im eigenen Auge übersehen.
So wenig rein aber auch ^die Absicht derer ist, die aus der
Beschäftigung mit dem Menschlichen in der Kirche einen Beruf, vielfach
sogar ein niedriges Geschäft machen, und obgleich die in Gott
ruhende Gewalt des kirchlichen Amtsträgers nicht abhängig ist von
seiner menschlichen und sittlichen Höhe, so ist doch keine Zeitepoche,
kein Einzelner, keine Gemeinschaft frei von der Pflicht ehrlicher Gewissenserforschung,
unerbittlicher Läuterung, durchgreifender Erneuerung
in Gesinnung und Tat. In Unserer Enzyklika über das Priestertum,
in Unseren Sendschreiben über die Katholische Aktion haben
Wir mit beschwörender Eindringlichkeit auf die heilige Pflicht aller
Angehörigen der Kirche, und allen voran der Angehörigen des Priester
- und Ordensstandes und des Laienapostolats hingewiesen, Glaube
und Lebensführung in die von Gottes Gesetz geforderte, von der Kirche
mit nimmermüdem Nachdruck verlangte Uebereinstimmung zu bringen.
Und auch heute wiederholen Wir mit tiefem Ernst : Es genügt nicht, zurKirche
Christi zu zählen. Man muss auch lebendiges Glied dieser Kirche
sein — im Geiste und in der Wahrheit. Und das sind nur die, die in
der Gnade des Herrn stehen und unausgesetzt in Seiner Gegenwart
wandeln — in Unschuld oder in aufrichtiger und tätiger Busse. Wenn
der Völkerapostel, das « Gefäss der Auserwählung » seinen Leib unter
der Zuchtrute der Abtötung hielt, um nicht, nachdem er andern gepredigt,
selbst verworfen zu werden (1 Cor. 9, 27), kann es dann für
die übrigen, in deren Hände die Wahrung und Mehrung des Reiches Gottes
gelegt ist, einen anderen Weg geben als den der innigsten Verbindung
des Heilands Wort über die Aergernisse und die Aergernisgeber kennt,
weiss, wie die Kirche und wie jeder Einzelne über das zu urteilen hat,
was Sünde war und Sünde ist. Wer aber über diesen verurteilenswërten
Abweichungen zwischen Glauben und Leben, zwischen Wort und Tat,
zwischen äusserer Haltung Und innerer Gesinnung bei Einzelnen —
und wären es ihrer auch viele — die Unsumme von echtem Tugendstreben,
von Opfersinn, von Bruderliebe, von heldenhaftem Heiligkeitsdrang
vergisst oder gar wissentlich verschweigt, der enthüllt eine bedauernswerte
Blindheit und Ungerechtigkeit. Wenn dann vollends erkennbar
wird, dass er den harten Masstab, den er an die gehasste Kirche
anlegt, in dem selben Augenblick vergisst, wo es sich um Gemeinschaften
anderer Art handelt, die ihm aus Gefühl oder Interesse nahestehen, dann
offenbart er sich in seinem angeblich verletzten Reinlichkeitsgefühl als
verwandt mit denen, die nach des Heilands schneidendem Wort über
dem Splitter im Auge des Bruders den Balken im eigenen Auge übersehen.
So wenig rein aber auch ^die Absicht derer ist, die aus der
Beschäftigung mit dem Menschlichen in der Kirche einen Beruf, vielfach
sogar ein niedriges Geschäft machen, und obgleich die in Gott
ruhende Gewalt des kirchlichen Amtsträgers nicht abhängig ist von
seiner menschlichen und sittlichen Höhe, so ist doch keine Zeitepoche,
kein Einzelner, keine Gemeinschaft frei von der Pflicht ehrlicher Gewissenserforschung,
unerbittlicher Läuterung, durchgreifender Erneuerung
in Gesinnung und Tat. In Unserer Enzyklika über das Priestertum,
in Unseren Sendschreiben über die Katholische Aktion haben
Wir mit beschwörender Eindringlichkeit auf die heilige Pflicht aller
Angehörigen der Kirche, und allen voran der Angehörigen des Priester
- und Ordensstandes und des Laienapostolats hingewiesen, Glaube
und Lebensführung in die von Gottes Gesetz geforderte, von der Kirche
mit nimmermüdem Nachdruck verlangte Uebereinstimmung zu bringen.
Und auch heute wiederholen Wir mit tiefem Ernst : Es genügt nicht, zurKirche
Christi zu zählen. Man muss auch lebendiges Glied dieser Kirche
sein — im Geiste und in der Wahrheit. Und das sind nur die, die in
der Gnade des Herrn stehen und unausgesetzt in Seiner Gegenwart
wandeln — in Unschuld oder in aufrichtiger und tätiger Busse. Wenn
der Völkerapostel, das « Gefäss der Auserwählung » seinen Leib unter
der Zuchtrute der Abtötung hielt, um nicht, nachdem er andern gepredigt,
selbst verworfen zu werden (1 Cor. 9, 27), kann es dann für
die übrigen, in deren Hände die Wahrung und Mehrung des Reiches Gottes
gelegt ist, einen anderen Weg geben als den der innigsten Verbindung