AAS 29 (1937), p. 154

von Apostolat und Selbstheiligung ? Nur so wird der Menschheit von
heute und in erster Linie den Widersachern der Kirche gezeigt, dass
das Salz der Erde, dass der Sauerteig des Christentums nicht schal
geworden, sondern fähig und bereit ist, den in Zweifel und Irrtum, in
Gleichgültigkeit und geistiger Ratlosigkeit, in Glaubensmüdigkeit und
Gottesferne befangenen Menschen der Gegenwart die seelische Erneuerung
und Verjüngung zu bringen, deren sie — ob eingestanden oder
geleugnet — dringender bedürfen als je zuvor. Eine sich in allen ihren
Gliedern auf sich selbst besinnende, jede Veräusserlichung und Verweltlichung
abstreifende, mit den Geboten Gottes und der Kirche ernst
machende, in Gottesliebe und tätiger Nächstenliebe sich bewahrende
Christenheit wird der im tiefsten Grunde kranken, nach Halt und
Wegweisung suchenden Welt Vorbild und Führerin sein können und
müssen, wenn nicht unsagbares Unglück, wenn nicht ein alle Vorstellungen
hinter sich lassender Niedergang hereinbrechen soll.
Jede wahre und dauernde Reform ging letzten Endes vom Heiligtum
aus; von Menschen, die von der Liebe zu Gott und dem Nächsten
entflammt und getrieben waren. Aus ihrer grossmütigen Bereitschaft
heraus, auf jeden Ruf Gottes zu hören und ihn zunächst in sich selbst
zu verwirklichen, sind sie in Demut und mit der Selbstsicherheit von
Berufenen zu Leuchten und Erneuerern ihrer Zeit herangewachsen.
Wo der Reformeifer nicht aus dem reinen Schoss persönlicher Lauterkeit
geboren wurde, sondern Ausdruck und Ausbruch leidenschaftlicher
Anwandlungen war, hat er verwirrt, statt zu klären; niedergerissen,
statt aufzubauen; ist er nicht selten der Ausgangspunkt für
Irrwege gewesen, die verhängnisvoller waren als die Schäden, die man
zu bessern beabsichtigte oder vorgab. Gewiss — Gottes Geist weht,
wo Er will (Joh. 3, 8). Er kann sich aus Steinen Wegbereiter seiner
Absichten erwecken (Matth. 3, 9; Lue. 3, S). Er wählt die Werkzeuge
Seines Willens nach eigenen Plänen und nicht nach denen der Menschen.
Aber Er, der die Kirche gegründet und sie im Pfmgststurm ins Dasein
gerufen hat, Er sprengt nicht das Grundgefüge der von Ihm selbst
gewollten Heilsstiftung. Wer vom Geiste Gottes getrieben ist, hat von
selbst die gebührende innere und äussere Haltung gegenüber der Kirche,
der Edelfrucht am Baume des Kreuzes,, dem Pfingstgeschenk des Gottesgeistes
an die führungsbedürftige Welt.
In Euren Gegenden, Ehrwürdige Brüder, werden in immer stärkerem
Chor Stimmen laut, die zum Austritt aus der Kirche aufrufen. Unter
den Wortführern sind vielfach solche, die durch ihre amtliche Stellung
den Eindruck zu erwecken suchen, als ob dieser Kirchenaustritt und

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