AAS 29 (1937), p. 146

höre : meine Kinder wandeln in der Wahrheit » (3 Joh. 4). Der Unserem
verantwortungsvollen apostolischen Amt ziemende Freimut und der
Wille, Euch und der gesamten christlichenWelt die Wirklichkeit in ihrer
ganzen Schwere vor Augen zu stellen, fordern von Uns aber auch, das»
Wir hinzufügen : Eine grössere Sorge, ein herberes Hirtenleid haben
Wir nicht, als wenn Wir hören : viele verlassen den Weg der Wahrheit
(vgl. 2 Petr. 2, 2).
Als Wir, Ehrwürdige Brüder, im Sommer 1933 die Uns von der
Reichsregierung in Anknüpfung an einen jahrealten früheren Entwurf
angetragenen Konkordatsverhandlungen aufnehmen und zu Euer aller
Befriedigung mit einer feierlichen Vereinbarung abschliessen Hessen,
leitete Uns die pflichtgemässe Sorge um die Freiheit der kirchlichen
Heilsmission in Deutschland und um das Heil der ihr anvertrauten
Seelen — zugleich aber auch der aufrichtige Wunsch, der friedlichen
Weiterentwicklung und Wohlfahrt des deutschen Volkes einen wesentlichen
Dienst zu leisten.
Trotz mancher schwerer Bedenken haben Wir daher Uns damals den
Ehtschluss abgerungen, Unsere Zustimmumg nicht zu versagen. Wir
wollten Unsern treuen Söhnen und Töchtern in Deutschland im Rahmen
des Menschenmöglichen die Spannungen und Leiden ersparen, die andernfalls
unter den damaligen Verhältnissen mit Gewissheit zu erwarten
gewesen wären. Wir wollten allen durch die Tat beweisen, dass Wir,
einzig Christus suchend und das was Christi ist, niemandem die Friedenshand
der Mutterkirche verweigern, der sie nicht selbst zurückstösst.

Wenn der von Uns in lauterer Absicht in die deutsche Erde gesenkte
Friedensbaum nicht die Früchte gezeitig hat, die Wir im Inte-

resse Eures Volkes ersehnten, dann wird niemand in der weiten Weltr
der Augen hat, zu sehen, und Ohren, zu hören, heute noch sagenkönnen,
die Schuld liege auf Seiten der Kirche und ihres Oberhauptes.
Der Anschauungsunterricht der vergangenen Jahre klärt die
Verantwortlichkeiten. Er enthüllt Machenschaften, die von Anfang
an kein anderes Ziel kannten als den Vernichtungskampf. In die Furchen,
in die Wir den Samen aufrichtigen Friedens zu pflanzen bemüht
waren, streuten andere — wie der inimicus homo der Hl. Schrift
(Matth. 13, 25) — die Unkrautkeime des Misstrauens, des Unfriedens,,
des Hasses, der Verunglimpfung, der heimlichen und offenen, aus tausend
Quellen gespeisten und mit allen Mitteln arbeitenden grundsätzlichen
Feindschaft gegen Christus und seine Kirche. Ihnen und nur
ihnen, sowie ihren stillen und lauten Schildhaltern fällt die Verant-

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