AAS 29 (1937), p. 147

wortung dafür zu, dass statt des Regenbogens des Friedens am Horizont
Deutschlands die Wetterwolke zersetzender Religionskämpfe sichtbar
ist.
W ir sind, Ehrwürdige Brüder, nicht müde geworden, den verant-T
wortlichen Lenkern der Geschicke Eures Landes die Folgen darzustellen,
die aus dem Gewährenlassen oder gar aus der Begünstigung solcher
Strömungen sich zwangsweise ergeben müssten. Wir haben alles
getan, um die Heiligkeit des feierlich gegebenen Wortes, die Unverbrüchlichkeit
der freiwillig eingegangenen Verpflichtungen zu verteidigen
gegen Theorien und Praktiken, die — falls amtlich gebilligt
— alles Vertrauen töten und jedes auch in Zukunft gegebene Wort
innerlich entwerten müssten. Wenn einmal die Zeit gekommen sein
wird, diese Unsere Bemühungen vor den Augen der Welt offen zu
legen, werden alle Gutgesinnten wissen, wo sie die Friedenswahrer
und wo die Friedensstörer zu suchen haben. Jeder, dessen Geist sich
noch einen Rest von Wahrheitsempfinden, dessen Herz sich noch einen
Schatten von Gerechtigkeitsgefühl bewahrt hat, wird dann zugeben
müssen, dass in diesen schweren und ereignisvollen Jahren der Nachkonkordatszeit
jedes Unserer Worte und jede Unserer Handlungen unter
dem Gesetz der Vereinbarungstreue standen. Er wird aber auch mit
Befremden und innerster Ablehnung feststellen müssen, wie von der anderen
Seite die Vertragsumdeutung, die Vertragsumgehung, die Vertragsaushöhlung,
schliesslich die mehr oder minder öffentliche Vertragsverletzung
zum ungeschriebenen Gesetz des Handelns gemacht wurden.
Die von Uns trotz allem bezeigte Mässigung war nicht eingegeben
von Erwägungen irdischer Nützlichkeit oder gar unziemlicher Schwäche,
sondern lediglich von dem Willen, mit dem Unkraut nicht etwa wertvolles
Wachstum auszureissen; von der Absicht, nicht eher öffentlich zu urteilen,
als bis die Geister für die ünentrinnbarkeit dieses Urteils reif
geworden wären; von der Entschlossenheit, die Vertragstreue anderer
nicht eher endgültig zu verneinen, als bis die eiserne Sprache der
Wirklichkeit die Hüllen gesprengt hätte, in die eine planmässige
Tarnung den Angriff gegen die Kirche zu hüllen verstanden hatte und
versteht. Auch heute noch, wo der offene Kampf gegen die konkordatsgeschützte
Bekenntnisschule und wo die vernichtete Abstimmungsfreiheit
der katholischen Erziehungsberechtigten auf einem besonders
wesentlichen Lebensgebiet der Kirche den erschütternden Ernst der
Lage und die beispiellose Gewissensnot gläubiger Christen kennzeichnen
— rät Uns die Vatersorge um das Heil der Seelen, die etAva noch vorhandenen,
wenn auch geringen Aussichten auf Rückkehr zur Vertrags-

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