AAS 41 (1949), p. 425

mut-auf der Stirn und im Auge, stehen Uns noch in lebendiger Erinnerung
— sprachen Wir von der ins Gigantische wachsenden Industrie
Berlins, von seiner materiellen Hochkultur und rastlosen Erzeugung
immer neuer Diesseits werte. Wenn ihr heute den Blick über seine unabsehbaren
Ruinenfelder schweifen lasst, ist sie da nicht, die einst himmelstürmende
Weltstadt, wie ein schreckvolles Mahnzeichen; in den
Diesseitswerten nicht aufzugehen, in ihnen nicht das Letzte zu suchen?
Es gibt nur ein Letztes : Gott und die restlose Hingabe an Gott.
Wir wollen aber nicht stehen bleiben bei den düsteren Erinnerungen
der vergangenen Jahre. Diese Jahre haben auch wundersam Erhebendes
gesehen ; felsenfesten Glauben, der sich durch nichts, nicht durch Gewalt
und nicht durch Zusammenbruch aller irdischen Hoffnungen, beugen oder
brechen liess ; starkmütige Tugend, die auch den Tod nicht scheute, wo
es um Gottes Gebot ging;-Nächstenliebe echt wie Gold, die sich in diesen
Zeiten der Obdachlosigkeit, des Hungers und der Not in allen Formen,
glänzend bewährte; katholische Jugend, die unter Verzicht und Opfer
Christus die Treue hielt genau so wie einstmals, als es eine Lust war, zur
katholischen Jugend zu gehören ; fromme Eltern, welche die Gottesfurcht
und den Gottesfrieden des christliehen Familienlebens durch diese Zeiten
der Auflösung aller Ordnung und der scheinbaren Umwertung aller
sittlichen Werte mit ruhiger Festigkeit hindurchretteten und die sich
das Letzte vom Munde absparten, um ihren Kindern Gesundheit und eine
glücklichere Zukunft zu sichern. Gerade aus Berlin sind Uns ergreifende
Beispiele solcher Elternliebe berichtet worden; selbstlose Priester, die
in diesen Jahren unsäglicher Not treu zu ihren Gläubigen standen, zu
den Einheimischen und zu den zuwandernden Heimatvertriebenen, die
ihnen Halt und Stütze waren und für die religiöse Betreuung ihrer weitverstreuten
Herde keinen Weg und kein Wagnis scheuten, wenn sie auch
oft, der eine nach dem andern, in voller Erschöpfung zusammembrachen.
Wir freuen Uns, geliebte Söhne und Töchter, der Gelegenheit, euch Unseren
wäterlichen Dank aussprechen zu können für den Glauben und die
Liebe, die Ausdauer und Geduld, mit denen ihr unter übermenschlichen
Schwierigkeiten Gott und seinem Gebot, Christus und seiner Kirche die
Treue bewahrt habt.
Die Zukunft steht noch verschleiert und verhüllt vor euch. Legt sie in
Gottes Hand und haltet euch selbst an ihn! Sie mag dann bringen, was
sie will, immer wird sich eine göttliche Verheissung an euch erfüllen. Sie
lautet : « Denen die Gott lieben, gereicht alles zum Besten », alles, mag1
es auch noch so schwer erscheinen.

' Rom., 8, 28.

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