AAS 29 (1937), p. 151

der Dämmer der Vorbereitungszeit auf den vollen Sonnentag der Erlösung.
Wie es bei Geschichts- und Gesetzbüchern nicht anders sein
Kann.- sind sie in manchen Einzelheiten ein Spiegelbild menschlicher
Unvollkommenheit, Schwäche und Sünde. Neben unendlich vielem
Hohen und Edlen erzählen sie auch von der Veräusserlichung und Verweltlichung,
die in dem die Offenbarung und die Verheissung Gottes
tragenden alttestamentlichen Bundesvolk immer wieder hervorbrachen.
Für jedes nicht durch Vorurteil und Leidenschaft geblendete Auge leuchtet
jedoch aus dem menschlichen Versagen, von dem die biblische
Geschichte berichtet, um so strahlender das Gotteslicht der über alle
Fehle und Sünde letztlich triumphierenden Heilsführung hervor. Gerade
auf solchem, oft düsterem Hintergrund wächst die Heilspädagogik
des Ewigen in Perspektiven hinein, die wegweisend, warnend,
erschütternd, erhebend und beglückend zugleich sind. Nur Blindheit
und Hochmut können ihr Auge vor den heilserzieherischen Schätzen
ver sch Hessen, die das Alte Testament birgt. Wer die biblische Geschichte
und die Lehrweisheit des Alten Bundes aus Kirche und
Schule verbannt sehen will, lästert das Wort Gottes, lästert den
Heilsplan des Allmächtigen, macht enges und beschränktes Menschendenken
zum Richter über göttliche Geschichtsplanung. Er verneint
den Glauben an den wirklichen, im Fleische erschienenen Christus, der
die menschliche Natur aus dem Volke annahm, das ihn ans.Kreuz
schlagen sollte. Er steht verständnislos vor dem Weltdrama des Gottessohnes,
welcher der Meintat seiner Kreuziger die hohepriesterliche
Gottestat des Erlösertodes entgegensetzte und damit den Alten Bund im
Neuen Bunde seine Erfüllung, sein Ende und seine Überhöhung finden
liess.
Der im Evangelium Jesu Christi erreichte Höhepunkt der Offenbarung
ist endgültig, ist verpflichtend für immer. Diese Offenbarung
kennt keine Nachträge durch Menschenhand, kennt erst recht keinen
Ersatz und keine Ablösung durch die willkürlichen « Offenbarungen »,
die gewisse Wortführer der Gegenwart aus dem sogenannten Mythus
von Blut und Rasse herleiten wollen. Seitdem Christus der Gesalbte
das Werk der Erlösung vollbracht, die Herrschaft der Sünde gebrochen
und uns die Gnade verdient hat, Kinder Gottes zu werden — seitdem
ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch
den sie selig werden können, als der Name Jesus (Apg. 4, 12). Kein
Mensch — möge auch alles Wissen, alles Können, alle äusserliche
Macht der Erde in ihm verkörpert sein, kann einen andern Grund
legen als den, der in Christus bereits gelegt ist (1 Cor. 3, 11). Wer in

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