AAS 29 (1937), p. 157

der verkehrt und verfälscht eine der Grundwahrheiten christlichen
Glaubens, rührt an die Fundamente jeder religiösen, eine sittliche
•Weltordnung fordernden Weltanschauung. Wenn er nicht Christ sein
will, sollte er wenigstens darauf verzichten, den Wortschatz, seines
Unglaubens aus christlichem Begriffsgut zu bereichern.
Erbsünde ist die erbliche, wenn auch nicht persönliche Schuld der
Nachkommen Adams, die in ihm gesündigt haben (Köm. 5, 12), Verlust
der Gnade und damit des ewigen Lebens, mit dem Hang zum Bösen, den
jeder durch Gnade, Busse, Kampf, sittliches Streben zurückdrängen
und überwinden muss. Das Leiden und Sterben des Gottessohnes hat
die Welt vom Erbfluch der Sünde und des Todes erlöst. Der Glaube
an diese Wahrheiten, denen heute in Eurem Vaterlande der billige Spott
der Christusgegner gilt, gehört zum unveräusserlichen Bestand der
christlichen Religion.
Das Kreuz Christi, mag auch schon sein blosser Name vielen eine
Torheit und ein Aergernis geworden sein (1 Cor. 1, 23), es bleibt für den
Christen das geheiligte Zeichen der Erlösung, die Standarte sittlicher
Grösse und Kraft. In seinem Schatten leben wir. In seinem Kusse
sterben wir. Auf unserem Grabe soll es stehen als Künder unseres
Glaubens, als Zeuge unserer dem ewigen Licht zugewandten Hoffnung.

Demut im Geist des Evangeliums und Gebet um Gottes Gnadenhilfe
sind mit Selbstachtung, Selbstvertrauen und heldischem Sinn wohl
vereinbar. Die Kirche Christi, die zu allen Zeiten bis in die jüngste
Gegenwart hinein mehr Bekenner und frei willige Blutzeugen zählt, als
irgendwelche andere Gesinnungsgemeinschaft, hat nicht nötig, von
solcher Seite Belehrungen über Heldengesinnung und Heldenleistung
entgegenzunehmen. In seinem seichten Gerede über christliche Demut
als Selbstentwürdigung und unheldische Haltung spottet der widerliche
Hochmut dieser Neuerer seiner selbst.
Gnade im uneigentlichen Sinne mag alles genannt werden, was dem
Geschöpf vom Schöpfer zukommt. Gnade im eigentlichen und christlichen
Sinne des Wortes umfasst jedoch die übernatürlichen Erweise
göttlicher Liebe, die Huld und das Wirken Gottes, durch das Er den
Menschen zu jener innnersten Lebensgemeinschaft mit Sich erhebt, die
das Neue Testament Gotteskindschaft nennt. « Seht, wie grosse Liebe
der Vater uns erwiesen hat : Wir heissén Kinder Gottes, und wir sind
es auch » (1 Joh. 3, 1). Die Ablehnung dieser übernatürlichen Gnadenerhebung
aus angeblich deutscher Wesensart heraus ist Irrtum,
eine offene Kampfansage an eine Kernwahrheit des Christentums. Die

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