AAS 29 (1937), p. 158
Gleichsetzung der übernatürlichen Gnade mit den Gaben der Natur
ist Eingriff in den durch die Religion geschaffenen und geweihten
Wortschatz. Die Hirten und Hüter des Volkes Gottes werden gut daran
tun, diesem Raub am Heiligtum und dieser Arbeit an der Verwirrung
der Geister mit Wachsamkeit entgegenzuwirken.
{Sittenlehre und sittliche Ordnung)
Auf dem wahren und rein bewahrten Gottesglauben ruht die Sittlich- ,
keit der Menschheit. Alle Versuche, die Sittenlehre und die sittliche
Ordnung vom Felsenboden des Glaubens abzuheben und auf dem wehenden
Flugsand menschlicher Normen aufzubauen, führen früher oder
später Einzelne und Gemeinschaften in moralischen Niedergang. Der
Tor, der in seinem Herzen spricht, es gibt keinen Gott, wird Wege der
sittlichen Verdorbenheit wandeln (Ps. 13, 1 f.). Die Zahl solcher Toren,
die heute sich unterfangen, Sittlichkeit und Religion zu trennen, ist
Legion geworden. Sie sehen nicht oder wollen nicht sehen, dass mit
der Verbannung des bekenntnismässigen, d. h. klar und bestimmt gefassten
Christentums aus Unterricht und Erziehung, aus der Mitgestaltung
des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens Wege der
geistigen Verarmung und des Niedergangs beschritten werden. Keine
Zwangsgewalt des Staates, keine rein irdischen, wenn auch in sich
edlen und hohen Ideale, werden auf die Dauer imstande sein, die aus
dem Gottes- und dem Christusglauben kommenden letzten und entscheidenden
Antriebe zu ersetzen. Nimmt man dem zu höchsten Opfern,
zur Hingabe des kleinen Ich an das Gemeinwohl Aufgerufenen den
sittlichen Rückhalt aus dem Ewigen und Göttlichen, aus dem aufrichtenden
und tröstenden Glauben an den Vergelter alles Guten und
Ahnder alles Bösen — dann wird für Ungezählte das Endergebnis
nicht sein die Bejahung der Pflicht, sondern die Flucht vor ihr. Die
gewissenhafte Beobachtung der zehn Gebote Gottes und der Kirchehgebote,
welch letztere nichts anderes sind als Ausführungsbestimmungen
zu den Normen des Evangeliums, ist für jeden Einzelmenschen eine
unvergleichliche Schule planvoller Selbstzucht, sittlicher Ertüchtigung
und Charakterformung. Eine Schule, die viel verlangt; aber nicht
zuviel. Der gütige Gott, der als Gesetzgeber spricht : « Du sollst », gibt
in Seiner Gnade auch das Können und Vollbringen. Sittlichkeitsbildende
Kräfte von so starker Tiefenwirkung ungenützt lassen oder ihnen
den Weg in die Bezirke der Volkserziehung gar bewusst versperren, ist
unverantwortliche Mitwirkung an der religiösen Unterernährung der
ist Eingriff in den durch die Religion geschaffenen und geweihten
Wortschatz. Die Hirten und Hüter des Volkes Gottes werden gut daran
tun, diesem Raub am Heiligtum und dieser Arbeit an der Verwirrung
der Geister mit Wachsamkeit entgegenzuwirken.
{Sittenlehre und sittliche Ordnung)
Auf dem wahren und rein bewahrten Gottesglauben ruht die Sittlich- ,
keit der Menschheit. Alle Versuche, die Sittenlehre und die sittliche
Ordnung vom Felsenboden des Glaubens abzuheben und auf dem wehenden
Flugsand menschlicher Normen aufzubauen, führen früher oder
später Einzelne und Gemeinschaften in moralischen Niedergang. Der
Tor, der in seinem Herzen spricht, es gibt keinen Gott, wird Wege der
sittlichen Verdorbenheit wandeln (Ps. 13, 1 f.). Die Zahl solcher Toren,
die heute sich unterfangen, Sittlichkeit und Religion zu trennen, ist
Legion geworden. Sie sehen nicht oder wollen nicht sehen, dass mit
der Verbannung des bekenntnismässigen, d. h. klar und bestimmt gefassten
Christentums aus Unterricht und Erziehung, aus der Mitgestaltung
des gesellschaftlichen und öffentlichen Lebens Wege der
geistigen Verarmung und des Niedergangs beschritten werden. Keine
Zwangsgewalt des Staates, keine rein irdischen, wenn auch in sich
edlen und hohen Ideale, werden auf die Dauer imstande sein, die aus
dem Gottes- und dem Christusglauben kommenden letzten und entscheidenden
Antriebe zu ersetzen. Nimmt man dem zu höchsten Opfern,
zur Hingabe des kleinen Ich an das Gemeinwohl Aufgerufenen den
sittlichen Rückhalt aus dem Ewigen und Göttlichen, aus dem aufrichtenden
und tröstenden Glauben an den Vergelter alles Guten und
Ahnder alles Bösen — dann wird für Ungezählte das Endergebnis
nicht sein die Bejahung der Pflicht, sondern die Flucht vor ihr. Die
gewissenhafte Beobachtung der zehn Gebote Gottes und der Kirchehgebote,
welch letztere nichts anderes sind als Ausführungsbestimmungen
zu den Normen des Evangeliums, ist für jeden Einzelmenschen eine
unvergleichliche Schule planvoller Selbstzucht, sittlicher Ertüchtigung
und Charakterformung. Eine Schule, die viel verlangt; aber nicht
zuviel. Der gütige Gott, der als Gesetzgeber spricht : « Du sollst », gibt
in Seiner Gnade auch das Können und Vollbringen. Sittlichkeitsbildende
Kräfte von so starker Tiefenwirkung ungenützt lassen oder ihnen
den Weg in die Bezirke der Volkserziehung gar bewusst versperren, ist
unverantwortliche Mitwirkung an der religiösen Unterernährung der