AAS 29 (1937), p. 160

achtung-dieser Wahreit übersieht, dass das wahre Gemeinwohl letztlich
bestimmt und erkannt wird aus der Natur des Menschen mit ihrem
harmonischen Ausgleich zwischen persönlichem Recht und sozialer
Bindung, sowie aus dem durch die gleiche Menschennatur bestimmten
Zweck der Gemeinschaft. Die Gemeinschaft ist vom Schöpfer gewollt als
Mittel zur vollen Entfaltung der individuellen und sozialen Anlagen,
die der Einzelmensch, gebend und nehmend, zu seinem und aller anderen
Wohl auszuwerten hat. Auch jene umfassenderen und höheren Werte,
die nicht'vom Einzelnen, sondern nur von der Gemeinschaft verwirklicht
werden können, sind vom Schöpfer letzten Endes des Menschen halber
gewollt,, zu seiner natürlichen und übernatürlichen Entfaltung und
Vollendung. Ein Abweichen von dieser Ordnung rüttelt an den Tragpfeilern,
auf denen die Gemeinschaft ruht, und gefährdet damit Buhe,
Sicherheit, ja Bestand der Gemeinschaft selbst.
Der gläubige Mensch hat ein unverlierbares Recht, seinen Glauben
zu bekennen und in den ihm gemässen Formen zu betätigen. Gesetze,
die das Bekenntnis und die Betätigung dieses Glaubens unterdrücken
oder erschweren, stehen im Widerspruch mit einem Naturgesetz.
Gewissenhafte, ihrer erzieherischen Pflicht bewusste Eltern haben
ein erstes und ursprüngliches Recht, die Erziehung der ihnen von Gott
geschenkten Kinder im Geiste des wahren Glaubens und in Uebereinstimmung
mit seinen Grundsätzen und Vorschriften zu bestimmen. Gesetze
oder andere Massnahmen, die diesen naturrechtlich gegebenen Elternwillen
in Schulfragen ausschalten oder durch Drohung und Zwangunwirksam
machen, stehen im Widerspruch zum Naturrecht und sind
im tiefsten un letzten Kern unsittlich.
Die Kirche, die berufene Hüterin und Auslegerin des göttlichen
Naturrechts, kann daher gar nicht anders, als die im Zustand notorischer
Unfreiheit erfolgten Schuleinschreibungen der jüngsten Vergangenheit
als ein Zwangsprodukt zu erklären, dem jeglicher Rechtscharakter
abgeht.

(An die Jugend)

Als Stellvertreter dessen, der im Evangelium zu einem Jungmann
gesprochen hat : « Willst du zum Leben eingehen, so halte die Gebote »
(Matth. 19,17) richten Wir ein besonders väterliches Wort an die Jugend.
Von tausend Zungen wird heute vor euren Ohren ein Evangelium
verkündet, das nicht vom Vater im Himmel geofl'enbart ist. Tausend
Federn schreiben im Dienst eines Scheinchristentums, das nicht das
Christentum Christi ist. Druckerpresse und Radio überschütten euch

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